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Wetterspruch des Tages
Blüht die Esche vor der Eiche, gibt es eine große Bleiche (= trockener Sommer), blüht die Eiche vor der Esche, gibt es eine große Wäsche (= verregneter Sommer).

Das Wetterthema

herausgegeben vom Deutschen Wetterdienst am 16.04.2026

Wissenschaft kompakt

Geschichte der Meteorologie - Teil 3: Meteorologie der Spätantike
sowie im europäischen Frühmittelalter



Der dritte Teil der Serie Geschichte der Meteorologie beleuchtet die
Entwicklung der Meteorologie in der Spätantike zur Zeit der Römer und
im Übergangsbereich zum Frühmittelalter. Auch in den asiatischen
Kulturen in Indien und China tauchen neue Erkenntnisse zur
Meteorologie auf.



Im letzten Teil der Geschichte der Meteorologie wurde die Entwicklung
der Meteorologie im alten Indien und China einerseits und
ausführlicher die auf europäischem Boden im antiken Griechenland
beschrieben.
Ein Nachtrag zu dieser Zeit sei an dieser Stelle noch gestattet.
Blicken wir zurück in den Osten ins alte Indien: Im Werk
"Arthasastra", geschrieben vom indischen Minister Chanakya (um 350-um
283 v. Chr.), welcher als Berater des ersten Kaisers des indischen
Maurya-Reiches wirkte, wurde über die Einführung eines
Verwaltungssystems berichtet. Im Bereich der Landwirtschaft lagen aus
dieser Zeit systematische Niederschlagsmessungen vor, welche sich auf
verschiedene Bereiche des Subkontinents bezogen. Sie zeigen, dass
erste Regenmesser im alten Indien bis in die Zeit vor der
christlichen Zeitenwende zurückreichen.
Kommen wir wieder zurück in den europäischen Kulturkreis. Nach dem
Untergang des antiken Griechenlands ging die Weiterentwicklung der
Geschichte der Meteorologie über auf das Römische Reich. Im Vergleich
zum antiken Griechenland gelang im Römischen Reich kein so
umfangreicher Erkenntniszuwachs, vielmehr blieb das Wissen der
Griechen dominant.
Im sechsbändigen Werk "De rerum natura" des römischen Dichters und
Philosophen Lukrez (um 95-um 55 v. Chr.) wurde die Naturphilosophie
von Epikur (griechischer Philosoph, um 341-270 v. Chr.), die die
Entstehung von Gesellschaft und Kultur auf rein natürliche Ursachen
ohne Gottheiten abmünzt, wiedergegeben und zusammengefasst. Inhalte
des Werkes waren die Atomlehre, die Seelenlehre und die empirische
Welt, welche sich aus Kosmologie und Kulturentstehungsgeschichte
zusammensetzte. Im 6. Buch wurde die Meteorologie behandelt.
Der römische Dichter Vergil (70-19 v. Chr.) erfreute sich an der
Natur, suchte sie aber auch durch die Naturphilosophie, die
Wissenschaft jener Zeit, zu verstehen. Er nahm Wetterzeichen in ein
Handbuch zur Tierhaltung auf. Sein Werk "Georgica" umfasste etwa 2000
Verszeilen über Landwirtschaft und Wetter. Hier ein Auszug: "Was gibt
es zu sagen über die Herbststürme und die Sterne; und warum müssen
die Menschen wachsam sein; wenn nun die Tage kürzer werden und die
Sommerhitze nachlässt? Wenn der Frühling, der Regenbringer,
herabstürzt; Oder wenn sich die Ähren der Ernte auf der Ebene bereits
aufrichten..."
Der griechische Geograph und Geschichtsschreiber Strabon (um 63 v.
Chr.-23 n. Chr.) versuchte in seinem Werk "Geographie", welches er
kurz vor seinem Tod vollendete, das gesamte bekannte geographische
Wissen zusammenzufassen. Es umfasste alle Länder und Völker, die den
Römern und Griechen zu jener Zeit bekannt waren. Es enthält eine
frühe Beschreibung des Wetters auf den Britischen Inseln: "Das Wetter
dort ist eher regnerisch als schneereich; und an Tagen mit klarem
Himmel herrscht so lange Nebel, dass die Sonne den ganzen Tag über
nur etwa drei oder vier Stunden lang um die Mittagszeit zu sehen ist.
..."
Der römische Dichter Ovid (43 v. Chr.-17 n. Chr.) wurde von Kaiser
Augustus (63 v. Chr.-14 n. Chr.) im Jahre 8 n. Chr. nach Tomis an die
Westküste des Schwarzen Meeres (heute das rumänische
Constanta/Konstanza) verbannt. In seinen Werken "Tristia" und
"Epistulae ex Ponto" beschrieb er das dortige vergleichsweise harsche
Klima, beispielsweise Kälte, Frost und Schnee, fehlende Tauphasen
inmitten des Winters und das Zufrieren der Donau.
Der römische Philosoph und Naturforscher Seneca der Jüngere (um 3 v.
Chr.-65 n. Chr.) sowie Plinius der Ältere (um 24-79 n. Chr.), ein
römischer Gelehrter, fassten beide aus griechischen Quellen die
Theorie der antiken griechischen Naturwissenschaft zusammen. In
Senecas "Quaestiones Naturales" ("Fragen über die Natur") wird
überwiegend Astronomie und Meteorologie behandelt, darunter alle
Wetterphänomene. Wind wird nicht nur als bewegte Luft beschrieben,
sondern mit der Verdunstung kombiniert. In Plinius' "Naturalis
historia" ("Naturgeschichte"), eine 37-bändige Enzyklopädie, wurde
das meteorologische Wissen von 20 bedeutenden griechischen Gelehrten
zusammengetragen. Auch Details über Windsysteme und Navigation in der
Seeschifffahrt fanden dort Erwähnung.
Der römische Geograph und Kosmograph Pomponius Mela (um 15-45 n.
Chr.) formulierte in seinem Werk "De situ orbis" im Jahr 43 n. Chr.
das System der Klimazonen. Er teilte die Erde in fünf Zonen ein, von
denen nur zwei bewohnbar waren, die nördliche und die südliche
Temperaturzone.
Aus dem ersten Jahrhundert nach Christus liegen aus dem römischen
Palästina Niederschlagsmessungen vor. Regenmengen wurden durch
Priester mittels spezieller Gefäße gemessen und in Mengenangaben
"tofahs" und "tefahs" versehen, einem alten Längenmaß, welches rund 9
cm entspricht. In den Frühjahrsmonaten wurden 6 tofahs Niederschlag
gemessen, was etwa 54 cm entspricht. Nimmt man die heutige Umrechnung
auf den Quadratmeter an, wäre es zu dieser Zeit etwas feuchter als
heute gewesen. Jüdische Priester nutzten die Messungen, um die
Fruchtbarkeit und damit das Erntepotential der Region zu
prognostizieren.
Der griechische Mathematiker, Geograph und Astronom Claudius
Ptolemäus (um 100-um 160) leistete einen Beitrag zur
Astrometeorologie, welche die Verbindung astronomischer Phänomene mit
dem Wetter beschreibt. In seinem Werk "Phasen der Fixsterne und
Sammlung von Wetterzeichen" beschrieb er Methoden zur
Wettervorhersage anhand astronomischer Ereignisse, die auf
geometrischen und mathematischen Modellen der Planetenbewegungen
beruhten. Diese basierten wiederum sowohl auf historischen
Beobachtungen als auch auf seinen eigenen Beobachtungen. Ptolemäus
beschrieb Positionsberechnungen der Planeten und gab Richtlinien zur
Deutung ihrer Auswirkungen auf das Wetter. Dies trug zur griechischen
Tradition astrometeorologischer Kalender bei, die astronomische
Phänomene mit Wettervorhersagen in Verbindung brachten. "Phasen der
Fixsterne und Sammlung von Wetterzeichen" ist auch deshalb von
Bedeutung, weil es eine Informationsquelle über frühere Autoritäten
in der Tradition des astrometeorologischen Kalenders darstellt,
darunter Hipparchos von Nicäa.
Der griechische Arzt und Naturforscher Galenos von Pergamon (um
130-um 210) war bei der Behandlungsmethode der Blutentnahme der
Ansicht, dass die Menge des abzulassenden Blutes nicht nur vom Alter,
der Konstitution und dem Wohnort des Patienten abhing, sondern auch
von der Jahreszeit und dem Wetter. Generell war Galenos der Meinung,
dass lebende Körper aus einer ungleichmäßigen Mischung aus Heißem,
Kaltem, Feuchtem und Trockenem bestehen - den "Gegensätzen" nach
Aristoteles, heute als Viersäftelehre oder Humoralpathologie bekannt.

Damit wären alle wesentlichen Entwicklungen im Römischen Reich
zusammengefasst. Werfen wir nun einen Blick weit nach Osten: Im
antiken China gibt es zu dieser Zeit eine etwas ausführlichere
Vorstellung, wie der Regen entsteht:
In seinem Werk "Lunheng" widerlegte der chinesische Philosoph Wang
Chong (27-um 97 n. Chr.) aus der Han-Dynastie den chinesischen
Mythos, dass Regen vom Himmel komme, und erklärt, dass Regen aus dem
Wasser auf der Erde in die Luft verdunstet und Wolken bildet. Er
stellte fest, dass Wolken zu Regen kondensieren und auch Tau bilden,
und er sagte, wenn die Kleidung von Menschen in hohen Bergen feucht
wird, liege dies an dem in der Luft schwebenden Regenwasser. Wang
Chong stützte seine Theorie jedoch auf eine ähnliche These von
Gongyang Gao, dessen Kommentar zu den "Frühlings- und Herbstannalen",
der "Gongyang Zhuan", bereits im 2. Jahrhundert v. Chr. verfasst
wurde. Das zeigt, dass die chinesische Vorstellung, Regen verdunste
und steige auf, um Wolken zu bilden, weit vor Wang Chong
zurückreicht. Wang Chong schrieb: "Was diesen Regen betrifft, der aus
den Bergen kommt, so sind einige der Ansicht, dass die Wolken den
Regen mit sich führen und sich auflösen, sobald er niedergeht (und
sie haben Recht). Wolken und Regen sind eigentlich ein und dasselbe.
Wasser, das nach oben verdunstet, wird zu Wolken, die sich zu Regen
oder weiter zu Tau verdichten."
Auch aus Indien liegen einige weitere meteorologische Erkenntnisse
vor. Der indische Dichter Kalidasa, der um 500 n. Chr. lebte,
erwähnte in seinem Gedicht "Meghaduta" ("Wolkenbote") den Zeitpunkt
des Einsetzens des Südwestmonsuns über Zentralindien und zeichnete
den Weg der Monsunwolken von dort zum Berg Kailash in Tibet nach. Um
das Jahr 575 n. Chr. veröffentlichte der indische Astronom und
Mathematiker Varahamihira (505-587) sein Werk "Brihat-Samhita"
("Große Sammlung"), das eindeutige Belege dafür liefert, dass im
indischen Raum bereits fundierte Kenntnisse über atmosphärische
Vorgänge vorhanden waren.
Kommen wir nun wieder zurück nach Europa. Nach dem Zerfall des
Römischen Reiches, der den Übergang der Spätantike zum europäischen
Frühmittelalter einleitet, gab es keine signifikante
Weiterentwicklung in der Meteorologie. Lediglich wenige theologische
Gelehrte verfassten Abhandlungen, in welchen meteorologische Aspekte
erwähnt wurden, die jedoch im Wesentlichen den Stand der Dinge der
Antike wiedergaben.
Der hispanische Bischof und Historiker Isidor von Sevilla (um
560-636) schrieb in seinem Werk "De Natura Rerum" (Über die Natur der
Dinge) über Astronomie, Kosmologie und Meteorologie. In den Kapiteln
zur Meteorologie befasste er sich mit Donner, Wolken, Regenbogen und
Wind. Auch die "Verderbnis der Luft" (Pest) wurde behandelt.
Allerdings wurde er durch die vorherrschende theologische Ansicht
eingeschränkt, dass der einzige legitime Weg, Naturwissenschaften zu
studieren, über die Heilige Schrift führte.
Der angelsächsische Theologe und Benediktinermönch Beda Venerabilis
(um 672-735) gilt als einer der bedeutendsten Gelehrten des
europäischen Frühmittelalters. In seiner gleichnamigen Enzyklopädie
"De Natura Rerum", die um das Jahr 703 entstanden ist, handelte ein
großes Kapitel von den Naturwissenschaften, in dem auch
Wetterprognosen thematisiert wurden. Andere bedeutende Kapitel
stellten die Astronomie und die Komputistik, die Zeitrechnung, dar.
Beda Venerabilis schrieb als erster Angelsachse über das Wetter und
gilt als Begründer der Meteorologie in England.
Die weitere Entwicklung in der Geschichte der Meteorologie wird aus
Erkenntnissen der Araber abgeleitet. Die Araber dominierten im
Folgenden im europäischen Kulturraum sämtliche wissenschaftlichen
Entwicklungen des Früh- und Hochmittelalters. Der nächste Teil der
Serie Geschichte der Meteorologie wird diese Episode beleuchten und
einen Überblick über die nächsten meteorologischen Erkenntnisse in
Mesoamerika und im antiken China zusammenfassen.


Dipl.-Met. Markus Eifried

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.04.2026

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