Wetter aktuell
Sturmtief ?Harry? und seine Auswirkungen im Mittelmeerraum
Über dem zentralen Mittelmeer hat sich ein veritables Sturmtief
gebildet. Das heutige Thema des Tages möchte kurz einen Einblick auf
seine Entwicklung, die voraussichtliche Zugbahn und die Auswirkungen
im Mittelmeerraum geben.
Schon seit dem vorgestrigen Samstag hat sich aus einem
Langwellentrog, der vom Nordmeer über Westeuropa südwärts gerichtet
ist, ein hochreichendes Tiefdruckgebiet abgespalten, das über die
Iberische Halbinsel zum nordafrikanischen Atlasgebirge gezogen ist.
Von dort hat sich dieses Tief auf seinem Weg nach Osten und später
Nordosten zu einem veritablen Sturmtief verstärkt und wird heute
(Montag) Mittag über Tunesien liegen. Von dort wird es nur ganz
langsam Richtung Nordwesten weiterziehen und sich erst ab Mittwoch
unter Abschwächung zum Tyrrhenischen Meer (das Seegebiet zwischen
Sardinien und dem Festland Italiens) verlagern. Bedingt durch recht
milde Wassertemperaturwerte im nahen Ostatlantik sowie des
Mittelmeers steigt viel Feuchte aus diesen Regionen in die Atmosphäre
auf, was zu erhöhten Niederschlagsmengen führt. Ein von Tunesien
nordwestwärts gerichteter Ausläufer führt am heutigen Montag und am
morgigen Dienstag zu ergiebigen Regenfällen in Katalonien und auf den
Balearen, in abgeschwächter Form auch an Teilen der algerischen
Küste. Bedingt durch den Gegensatz zu einem umfangreichen Hoch mit
Schwerpunkten über dem nahen Osteuropa sowie den Karpaten baut sich
über dem zentralen Bereich des Mittelmeeres ein markantes Sturmfeld
auf. So werden an der Nord- und Ostflanke des Tiefs zunächst ab der
kommenden Nacht sowie am morgigen Dienstag stürmische Winde aus
Südost, mit Verlagerung des Sturmtiefs Richtung Lampedusa sowie des
Hochs Richtung Bulgarien und Anatolien am Mittwoch Sturm aus Südost
bis Ost im Ionischen und Tyrrhenischen Meer erwartet. Durch einen
langen Wirkweg des Windes über dem offenem Meer begünstigt diese
Wetterlage das Entstehen vergleichsweise hohen Seegangs ?
insbesondere im Bereich des Ionischen Meeres und der Meerenge
zwischen Sardinien und Sizilien.
Auswirkungen in Spanien
Bis Dienstag Mittag gibt es teils gewittrig verstärkte Regenfälle an
der Ostküste, auf den Balearen und in Katalonien (Nordostspanien), in
Lagen oberhalb von 1400 Metern im Bereich der Pyrenäen entsprechend
Schnee. Die höchsten Niederschlagsmengen werden an der Küste zwischen
Barcelona und der Grenze zu Frankreich erwartet. Dort, wie auch an
der südlichen Küste des nördlich angrenzenden französischen
Okzitaniens, werden bis Dienstag Mittag Regenmengen von 150 Litern
pro Quadratmetern erwartet, für die Stadt Girona bedeutet das
beispielsweise die dreifache Niederschlagsmenge, die sonst im Monat
Februar fällt, allerdings nun in einem kurzen Zeitraum. Auf Mallorca
und Ibiza kommen im selben Zeitraum Regenmengen von etwa 50 Litern
pro Quadratmeter zusammen. Entsprechende Wetterwarnungen vor starkem
Niederschlag und der Gefahr von Überflutungen haben die dortigen
Wetterdienste ausgegeben, in den Pyrenäen sind Wetterwarnungen für
moderate Neuschneemengen und der Gefahr von Lawinenabgängen aktiv. Ab
Dienstag Mittag deutet sich eine zögerliche Entspannung in Ostspanien
an, während der Nordwesten der Iberischen Halbinsel vom Ausläufer
eines atlantischen Sturmtiefs getroffen wird. Der Wind wird an der
Nordwestflanke des Sturmtiefs im Bereich des Löwengolfes und der
Balearensee auffrischen und im Mittel steif bis stürmisch sein ? mit
Sturmböen und schweren Sturmböen sowie einem Anwachsen des Seegangs
auf 5 bis 6 m nördlich der Balearen.
Auswirkungen in Italien und auf Malta
Besonders in Kalabrien (dem äußersten Süden des italienischen
Festlands), auf Sizilien und auf Sardinien gibt es teils gewittrig
verstärkte Regenfälle. Auf Sardinien wird der Hauptteil des
Niederschlages bis Dienstag Mittag niedergehen, Sizilien und
Kalabrien werden mit dem Hauptniederschlag von Dienstag Mittag bis
Mittwoch Mittag getroffen. Bis Dienstag Mittag sind im Stau der
Ostküste Sardiniens etwa 150 Liter pro Quadratmeter Niederschlag zu
erwarten, die Ostküste Siziliens erhält bis Mittwoch Mittag 250, in
Staulagen bis 350 Liter pro Quadratmeter, in Hochlagen schneit es.
Die durchschnittliche Niederschlagsmenge für den Monat Februar liegt
in Catania bei etwa 45 Litern pro Quadratmetern, diese wird um ein
Vielfaches in einem kurzen Zeitraum übertroffen werden. Malta liegt
zu weit südlich für die großen Niederschläge, Regenmengen fallen dort
moderat aus. Im Bereich des Tyrrhenischen, des Ionischen (zwischen
Süditalien und Griechenland) und des Libyschen Meeres (südlich davon)
hat sich schon ein Windfeld aus Südost bis Ost aufgebaut, ist im
Mittel südöstlich von Sizilien stürmisch und wird Dienstag Morgen bis
Abend Sturmstärke erreichen mit orkanartigen Böen oder Orkanböen.
Bedingt durch die lange zeitliche Andauer und räumliche Distanz ohne
große Richtungsänderung kann sich ein ordentlicher ?Fetch? aufbauen:
die signifikante See wird ostsüdöstlich von Sizilien auf 8 bis 9
Meter ansteigen, viele Einzelwellen werden Höhen von 10 bis 12 Meter
oder sogar darüber erreichen. Auch zwischen Sizilien und Sardinien
erreicht die See 7 Meter, ebenso auf Malta. Unwetterwarnungen
bezüglich des Niederschlages sind vom italienischen Wetterdienst für
Sizilien, Kalabrien und Sardinien ausgegeben worden.
Auswirkungen in Nordafrika
Die größten Niederschlagsmengen fallen an der algerischen und
tunesischen Küste in der Nacht zum Dienstag. Bis Mittwoch Früh muss
am Kap Bon in Tunesien mit 160 Litern pro Quadratmetern gerechnet
werden, westlich von Algier werden 130 Liter pro Quadratmeter an der
algerischen Küste erwartet. Die Schneefallgrenze im algerischen Atlas
liegt bei 1200 Metern. In Hochlagen des Atlas treten ab Dienstag
orkanartige Böen oder sogar Orkanböen auf.
Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.01.2026
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