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Wetterspruch des Tages
Kommt der 1. Mai mit Schall, bringt er Kuckuck und Nachtigall.

Das Wetterthema

herausgegeben vom Deutschen Wetterdienst am 01.05.2026

Wissenschaft kompakt

Facettenreicher Schönwetterhimmel


Hochdruck, Sonne und weiß-blauer Himmel. Auch schönes und sonniges
Wetter hat am Himmel einiges zu bieten ? von Haarbüscheln über
Flocken bis hin zu Wellen.


Hochdruckwetter ohne Ende ? das ist das dominierende Thema beim
aktuellen Wetter. In vielen Landesteilen machte die Sonne in den
letzten Tagen ordentlich Überstunden und auch am heutigen Maifeiertag
herrscht bestes Ausflugswetter. Fans von mehr Action beim Wetter
durchleben gerade eine lange Durststrecke und wir Warnmeteorologen
leiden aktuell nicht an Überarbeitung. Das für manche scheinbar
völlig langweilige Wetter hat aber mehr spannende Wetterphänomene zu
bieten als man meinen mag. Schon der weiß-blaue Schönwetter-Himmel
liefert reichlich interessante, facettenreiche und mitunter sogar
kunstvoll anmutende Wolkenformationen.

Bei meinem ersten Blick aus dem Fenster, am Morgen des letzten
Montags (27. April 2026), erweckten sofort wunderschöne faserige
Cirrus-Wolken meine Aufmerksamkeit, die den azurblauen Himmel
schmückten. Da zögerte ich nicht lange und zückte mein Smartphone für
ein ?Guten-Morgen-Foto?. Als ich später am Vormittag ganz andere
Wolkenmuster am Himmel entdeckte, kam mir die Idee, meine Eindrücke
zu den unterschiedlichen Wolkenformationen im Laufe eines sonnigen
Tages in einem Thema des Tages zu beschreiben und ein paar
meteorologische Erläuterungen dazu zu geben.

Schauen wir uns zunächst das Foto am Morgen an. Wie Federn oder
leuchtend weiße Haarbüschel überzogen Cirrus-Wolken den morgendlichen
Himmel. Die Bezeichnung ?Cirrus? (Plural: Cirren) kommt aus dem
Lateinischen und bedeutet ?Haarbüschel?. Genau genommen handelt es
sich hierbei um die Wolkenart ?Cirrus fibratus?, faserige
Cirrus-Wolken. Cirren sind reine Eiswolken. Sie bestehen also aus
feinen Eiskristallen und sind in der oberen Troposphäre anzutreffen,
in etwa 7 bis 11 Kilometern Höhe. Charakteristisch ist ihre feder-
oder haarähnliche Struktur. Enthalten die unterhalb der Cirren
befindlichen Atmosphärenschichten relativ wenig Feuchtigkeit und
steht die Sonne in einem geeigneten Winkel, sind die faserigen
Federwolken ? wie im gezeigten Foto ? besonders schön anzusehen. In
Hintergrund zeigen sich die Cirren etwas kompakter, man spricht dann
von der Wolkenart ?Cirrus spissatus? (lat. für ?verdichtet?).

Etwa zwei Stunden später bot der Himmel im südlichen
Rhein-Main-Gebiet ein ganz anderes Bild. Anstelle der federartigen
Cirren dominierten nun Cirrocumulus-Wolken (von lat. cumulus
?Anhäufung?) den Himmel. Auch hierbei handelt es sich fast
ausschließlich um Eiswolken, wobei ein kleiner Anteil unterkühlter
Wassertröpfchen in den Wolken enthalten sein kann. Sie entstehen
ebenfalls in der oberen Troposphäre. Die wie kleine Wattebäusche
anmutenden Wolken treten, wie auch im gezeigten Foto, häufig in
größeren Feldern auf. Etwa in der Bildmitte ist ein Band etwas
dichterer Bewölkung zu erkennen, das auf seiner linken Seite einen
Schatten auf die Cirrocumuli wirft. Schaut man ganz genau hin,
erkennt man in diesem Wolkenband sogar eine schwach ausgeprägte
Nebensonne. Diese leicht regenbogenfarbigen Flecke entstehen in einem
horizontalen Winkel von 22° zur Sonne. Sie werden durch Brechung des
Sonnenlichts in Eiskristallen der Wolken hervorgerufen, wodurch das
weiße Sonnenlicht in seine Spektralfarben aufgespalten wird.

Nur eine halbe Stunde später veränderte sich der Himmel erneut. Die
eher gleichmäßig verteilten Cirrocumuli ordneten sich zunehmend in
gerippten Bändern an. Die Rede ist dann von ?Cirrocumulus undulatus?
(lat. für ?wellenförmig?). Diese Muster werden durch Wellenbewegungen
der Luft verursacht, die eine Folge von mit der Höhe veränderten
Windgeschwindigkeiten (d.h. Windscherung) sind. Rechts oben im Bild
ist zudem der Schattenwurf eines Kondensstreifens auf die
Cirrocumulus-Wolken zu sehen.

Fast zeitgleich konnte ich in einem anderen Himmelssektor besonders
lange Fasern einer Cirrus-Wolke einfangen. Diese ausgedehnten Fäden
sind natürlich keine Haarbüschel von greisen Engeln mit Haarausfall.
Sie entstehen vielmehr durch eine Verdriftung von fallenden
Eiskristallen bei hohen Windgeschwindigkeiten in der Höhe. Beim
Fallen ändert sich auch die Windrichtung, wodurch die Kristalle
abgelenkt werden und sich im unteren Bereich der Wolke ansammeln. Die
Wolke wird zudem von einem Kondensstreifen eines Flugzeugs überquert.


Wieder einige Minuten später präsentierte sich der Himmel fast
chaotisch. Cirrocumulus-undulatus-Wolken zeigten sich in
unterschiedlichsten Wellenrichtungen und -längen. In manchen
Bereichen überlagerten sich diese Wolken zu karoförmigen Mustern. Die
unterschiedlichen Ausrichtungen und Wellenlängen sind das Resultat
von Wolken in verschiedenen Höhen mit variierenden Windrichtungen und
Wellenbewegungen.

Nicht nur der vormittägliche Himmel war facettenreich. Auch in den
Abendstunden hatte der Himmel noch einiges zu bieten. Zum einen zog
ein Wolkenfeld mit besonders großen und langgezogenen Wellen über den
Himmel. Die Wellenlänge der atmosphärischen Schwingung war zu diesem
Zeitpunkt offenbar besonders groß. Zudem konnte man beim Blick nach
Nordwesten weitere Wolkenarten und -gattungen erkennen. Zum einen
sind in der oberen Bildhälfte die flockenartigen Strukturen des
sogenannten ?Cirrocumulus floccus? zu sehen, zum anderen ein
?Cirrostratus? in weiterer Entfernung im unteren Bereich des Fotos.
Dabei handelt es sich um eher gleichmäßige und mal mehr, mal weniger
dichte Wolkenschichten aus Eiskristallen in der oberen Atmosphäre.
Auch eine Nebensonne konnte ich nochmals sichten (nicht gezeigt).

Wie Sie sehen, genügt schon ein kurzer Blick gen Himmel, um selbst
bei ruhigem und freundlichem Hochdruckwetter interessante
Wettererscheinungen zu entdecken. Wenn Sie mögen, können Sie bei
Ihrem nächsten Sonnenbad in der Gartenliege oder beim abendlichen
Gassigehen mit dem Hund mal den Himmel beobachten. Vielleicht können
Sie einige der hier beschriebenen Formationen aufspüren.

(Die Bilder zum heutigen Thema des Tages finden Sie wie immer im
Internet unter www.dwd.de/tagesthema.)

Dr. rer. nat. Markus Übel

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.05.2026

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