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Wetterspruch des Tages
Zu Georgi „blinde“ Reben, volle Trauben später geben.

Das Wetterthema

herausgegeben vom Deutschen Wetterdienst am 23.04.2019

Neues Unheil für Mosambik

Für uns Meteorologen verliefen die vergangenen Ostertage bei der
Deutschlandwettervorhersage sehr ruhig und man mag glauben, dass wir
unseren Dienst entspannt leisten konnten. Dem ist aber leider nicht
so. In Zusammenarbeit mit dem "Gemeinsamen Melde- und Lagezentrum" in
Bonn beobachten wir rund um die Uhr weltweit die aktuelle und
zukünftige Wetterlage, um auf potentiell gefährliche
Wetterentwicklungen frühzeitig hinweisen zu können. Diese Information
wird in der Folge an diverse Hilfsorganisationen weitergeleitet. Von
daher gibt es Tage, an denen man bei der Erstellung einer
Wettervorhersage davon ausgehen kann, dass die zu erwartende
Wetterlage der dortigen Bevölkerung Leid und Zerstörung bringen wird.
Dies war bei der Vorhersage für IDAI der Fall und ist es leider auch
heute in Bezug auf den nächsten Wirbelsturm.

Nachdem Mitte März der verheerende tropische Zyklon IDAI im Umfeld
der Küstenstadt "Beira" an Land ging, sind die Folgen bis heute noch
kaum zu überschauen. Neben den horrenden Sachschäden und der sehr
hohen Zahl an Verletzten und Toten sind die längerfristigen Folgen
für die Wirtschaft aber auch mit Blick auf die gesundheitlichen
Folgen wie Seuchen noch überhaupt nicht abzuschätzen. Dabei war IDAI
aber nur der "prominenteste" tropische Zyklon, der es in die
weltweiten Medien geschafft hat. Bevor wir näher auf die aktuelle
Lage eingehen, wollen wir daher kurz auf die bisherige
Tropensturmsaison im südwestlichen Indischen Ozean schauen.

In dieser Region dauert die Tropensturmsaison statistisch von Mitte
November bis Ende April. Verlief sie in den vergangenen Jahren mit
Blick auf die Anzahl von Tropenstürmen normal, so sieht es in dieser
Saison anders aus. Sie war die bisher schadensträchtigste sowie die
zweitaktivste Saison seit 1967. Bisher wurden im südwestlichen
Indischen Ozean 13 tropische Stürme (durchschnittlich 9) und 9
tropische Zyklone (durchschnittlich 5) beobachtet. Auch der Blick auf
die bisher gemeldete Zahl an Todesopfern lässt diese Saison auf den
3. Platz vorrücken, wobei IDAI ganz klar als Hauptverursacher für die
hohe Zahl an Todesopfern in die Annalen eingeht. Dabei verlief die
Saison insofern noch glimpflich (wenn man das in diesem Zusammenhang
überhaupt sagen darf), da sich der Großteil der Zyklone weit abseits
von jeglicher Landmasse über dem Indischen Ozean als sogenannte
"Fischstürme" austobte.
Zusammengefasst haben wir es in diesem Jahr also mit einer sehr
aktiven Saison zu tun, die aktuell noch kein Ende finden will.

So schauen wir Meteorologen seit einigen Tagen mit erneuten
Sorgenfalten auf ein Gebiet nördlich von Madagaskar, wo es bereits
kräftig brodelt. Wiederholt entwickelten sich hochreichende
Gewitterwolken, die sich immer weiter verstärken und ausdehnen
konnten. Das aktuelle Satellitenbild ist dem Thema des Tages
beigefügt [siehe Grafik a)]. Die Gründe für die Entwicklung solcher
tropischer Stürme wurden in vergangenen Themen des Tages bereits des
Öfteren dargestellt und können auch im Wetterlexikon des Deutschen
Wetterdienstes nachgelesen werden (siehe Link unter dem Thema des
Tages). Kurz zusammengefasst organisieren sich die Gewitter im
Verlauf ihrer Entwicklung zu großen Gewitterkomplexen, die dem
Einfluss der Corioliskraft folgend beginnen, sich um ein gemeinsames
Zentrum zu drehen. Dabei müssen ausreichend warmes Wasser vorhanden
und die Luft feucht genug sein, damit diese Gewitterkomplexe nicht in
sich zusammenfallen. Ist auch noch die vertikale Windscherung, also
die Zunahme des Windes mit der Höhe sehr gering, dann steht einer
Intensivierung nichts mehr im Weg.

Das aktuelle Satellitenbild zeigt bereits ein gut organisiertes
Wolkensystem nördlich von Madagaskar, das über einer Meeresregion mit
ausreichend hohen Wassertemperaturen von 28 bis 30 Grad zieht. Zudem
ist die aktuelle Windscherung sehr gering. Diese Bedingungen bleiben
auch in den kommenden Tagen bestehen. Somit ist bei der zu
erwartenden Westverlagerung eine fortwährende Intensivierung zu einem
tropischen Zyklon mit mittleren Windgeschwindigkeiten von mehr als
120 km/h zu erwarten. Die Böen können dabei sogar noch deutlich höher
als der Mittelwind ausfallen, wie in Grafik c) zu erkennen ist (Daten
vom Europäischen Wettermodell). Aus heutiger Sicht dürfte der Sturm
im Verlauf des Freitags im Nordosten von Mosambik auf Land treffen
und dann wie IDAI unter geringer Verlagerungsgeschwindigkeit entweder
ins Landesinnere driften oder im Küstenumfeld verbleiben. Egal welche
Lösung eintrifft, es muss in diesen Regionen erneut mit extremen
Regenfällen [Grafik b)] und vor allem im Küstenumfeld mit Orkanböen
gerechnet werden. Natürlich sind die Zugbahnvorhersagen noch mit
Unsicherheiten behaftet, doch zeigen die unterschiedlichen
Wettermodelle das gesamte Szenario bereits seit Tagen beständig.
Dabei liegt u.a. die Hafenstadt "Pemba" mit mehr als 200 000
Einwohnern im unmittelbaren Gefahrenbereich.

Daher kommen bei der Vorbereitung dieser Vorhersage bei uns
Meteorologen sorgenvolle Gedanken auf, denn die Gefahr einer erneuten
Katastrophe ist leider aus aktueller Sicht real und womöglich
imminent.

Dipl.-Met. Helge Tuschy
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.04.2019

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