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Wetterspruch des Tages
Wenn der April bläst in sein Horn, so steht es gut um Heu und Korn.

Das Wetterthema

herausgegeben vom Deutschen Wetterdienst am 18.04.2026

Wissenschaft kompakt

Einheitenchaos - Teil 2: Wind


Kilometer pro Stunde, Meter pro Sekunde, Knoten oder doch lieber
Beaufort. Das heutige Thema des Tages befasst sich mit der bunten
Einheitenvielfalt bezüglich der Windgeschwindigkeit.


Im Thema des Tages vom 07.04.2026 ging es um die Einheiten, die es
für die Temperatur gibt. Nun setzen wir die Reihe mit einem im
wahrsten Sinne des Wortes schwer zu fassenden Phänomen fort: Dem
Wind.
Beim Wind ist es notwendig zu erwähnen, ob man sich auf das
Windmittel oder die Windspitzen (auch Böen genannt) bezieht.
Windspitzen sind kurzzeitige Erhöhungen der Windgeschwindigkeit,
während das Windmittel den zugrunde liegenden anhaltenden Wind
beschreibt. Generell gehören zum Wind immer mehrere Informationen.
Einerseits wird die Richtung und andererseits die Geschwindigkeit
benötigt. Erstere gibt an, woher der Wind weht. Letztere kann auf
verschiedene Arten angegeben werden. Die geläufigste Einheit ist
sicherlich Kilometer pro Stunde, doch wie sieht es mit Meter pro
Sekunde aus? Sind beispielsweise Böen von 25 m/s viel? Die Umrechnung
ist eigentlich recht einfach, denn es muss nur mit 3,6 multipliziert
werden. Im Beispiel sind es dementsprechend 90 km/h.

In der Seefahrt, aber auch in der Luftfahrt, ist die Längeneinheit
nautische Meile üblich. Diese sollte ursprünglich ein 60tel eines
Breitengrades sein und wurde später als 1,852 km festgelegt. Die
Geschwindigkeitseinheit Seemeilen pro Stunde wird auch Knoten (kn)
genannt. Mithilfe der Definition der Seemeile bedeutet das für unsere
Windgeschwindigkeit im vorherigen Absatz, dass sie etwa 48,5 kn
beträgt. Zum Beispiel aus englischsprachigen Filmen ist uns zudem
"miles per hour" für Geschwindigkeitsangaben geläufig. Diese Einheit
bezieht sich nicht auf die Seemeile, sondern auf die (englische)
Meile, die als 1609,344 m definiert ist.

Wer nicht zufällig ein passendes Messgerät (Abbildung 1: Anemometer)
im Gepäck mit sich herumträgt, kann den Wind auch anhand ihrer
Auswirkungen abschätzen. Dabei spricht man von der sogenannten
Windstärke. Schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
entwickelte der englische Ingenieur John Smeaton eine Kategorisierung
der Windstärke. In seiner 11-teiligen Tabelle ordnete er jeder
Windstärke charakteristische Beobachtungen an der Umgebung zu. Später
entstand daraus eine 9-teilige Skala. Francis Beaufort, ein
britischer Hydrograf, verwendete Anfang des 19. Jahrhunderts eine
13-teilige Skala, die von "Windstille" bis "Sturm" reichte. Die
heutige Skala, die von 0 bis 12 reicht, finden Sie unter https://www.dwd.de/DE/service/lexikon/Functions/glossar.html?lv2=1003
10&lv3=100390. Die niedrigste Stufe "Windstille" bedeutet dabei, dass
Rauch senkrecht aufsteigt. Ab Beaufort 9 ("Sturm") sind erste Schäden
an Häusern zu beobachten und die höchste Stufe "Orkan" (Beaufort 12)
sorgt für schwere Verwüstungen. Weiter unten auf der Seite finden sie
auch die entsprechende Tabelle für die Auswirkungen auf See.

Für die offiziellen Böenwarnungen des Deutschen Wetterdienstes spielt
die Beaufortskala ebenfalls eine erhebliche Rolle. Warnungen vor Böen
der Stärke Beaufort 7 werden als "gelbe" Wetterwarnung verschlüsselt.
Beaufort 8 bis 10 werden ocker- oder orangefarbig (markante Warnung),
die Stufen 11 und 12 rot dargestellt (Unwetterwarnung). Ab 140 km/h
wird von extremen Orkanböen gesprochen (violette Warnung).
Heute sind für Deutschland keine Windwarnungen notwendig, dazu ist
der Druckgradient zu schwach ausgeprägt. Im Tagesverlauf besteht
jedoch die Möglichkeit, dass in der Nähe von Gewittern einzelne Böen
die Stärke 7 erreichen. Das ist vor allem im zentralen und östlichen
Mittelgebirgsraum möglich.

M.Sc.-Met. Fabian Chow

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.04.2026

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