Wissenschaft kompakt
Von Türmchen, Fasern und Linsen
Die Hochdruckwetterlage der vergangenen Tage erzeugte regional einige
interessante Wolkenformen, die man nicht so häufig beobachten kann.
Eine passende Gelegenheit, um ein paar dieser speziellen Formationen
unter die Lupe zu nehmen.
Jede Wolke ist für sich genommen ein Unikat. Nichtsdestotrotz treten
verschiedene Bewölkungsformen immer wieder auf, sodass man eines
Tages ein Klassifizierungssystem entwickelt hat, um diese Formen
einzuordnen. Dabei hat man sich an der Biologie orientiert und
unterteilt die verschiedenen Wolkenformen nach Gattung, Art und
Unterart. Daneben gibt es noch bestimmte Zusatzeigenschaften, die an
allen Wolkenarten auftreten können.
Grundsätzlich unterteilt man Bewölkung in drei bzw. vier verschiedene
Gattungen nach der Höhe ihres Auftretens: Tiefe, Mittelhohe und Hohe
Wolken. Neben diesen drei gibt es noch Wolkengattungen, die sich über
mehrere oder alle Stockwerke erstrecken. Es existieren insgesamt zehn
Gattungen. Zu den hohen Wolken gehören dabei Cirrus (Ci),
Cirrocumulus (Cc) und Cirrostratus (Cs). Zu den mittelhohen Wolken
gehören Altocumulus (Ac) und Altostratus (As). Stratocumulus (Sc) und
Stratus (St) bilden die tiefe Bewölkung. Daneben gibt es mit Cumulus
(Cu), Nimbostratus (Ns) und Cumulonimbus (Cb) drei Gattungen mit
großer vertikaler Ausdehnung über mehrere Stockwerke.
All diese Wolkengattungen können in Form verschiedener Arten
auftreten. Einige interessante davon sind z.B. Castellanus,
Lenticularis und Fibratus.
Castellanus
Castellanus (cas) bezeichnet Wolkenarten, die Quellungen in Form
kleiner Türmchen aufweisen, die aber an ihrer Basis miteinander in
Verbindung stehen. Sie können an Cirrus-, Cirrocumulus-, Altocumulus-
oder Stratocumulusbewölkung auftreten. Castellanus-Wolken weisen auf
vorhandene Labilität in der Troposphäre hin und können erste
Anzeichen bevorstehender Gewitterentwicklungen sein.
Lenticularis
Lenticularis (len) bezeichnet linsenförmige Wolken. Sie zeichnen sich
durch eine laminare Erscheinungsform aus und können mitunter auch wie
eine Art "UFO" aussehen. Lenticularis-Wolken treten in erster Linie
bei Föhn auf und bilden sich oft auf der Leeseite der Gebirge durch
dort entstehende Schwerewellen. Abseits davon können sich
Lenticularis auch bei starker Richtungsscherung und dadurch
entstehenden Scherungswellen bilden. Sie treten hauptsächlich an
Cirrocumulus, Altocumulus und Stratocumulus auf.
Fibratus
Fibratus-Wolken (fib) entstehen vor allem an Cirrus- oder
Cirrostratus-Wolken. Dabei bezeichnen sie dem Namen nach einen
bestimmten faserigen Charakter, wobei sich diese Fasern mitunter über
einen größeren Teil des Himmels erstrecken können. Sie entstehen u.a.
durch hohe Windscherung in großen Höhen.
Neben einigen Arten gibt es auch noch Unterarten und Spezialformen,
die es sich lohnt, näher zu betrachten.
Mammatus
Mammatuswolken (mam) bezeichnen Wolken mit beutelförmigen
Ausbuchtungen nach unten. Am häufigsten kommen diese an den
Eisschirmen bzw. dem Amboss von Cumulonimbuswolken vor. Daneben
können sie aber auch an fast allen anderen Gattungen auftreten. Der
genaue Entstehungsmechanismus von Mammatuswolken ist nicht
vollständig erforscht, eine Rolle spielen hohe Windscherung sowie
Verdunstungs- und Abkühlungsvorgänge an der Unterseite der Wolke.
Virga
Virga (vir) bezeichnet einen Niederschlagsfallstreifen unterhalb
einer Wolke, der aber den Boden nicht erreicht. Meistens handelt es
sich dabei um Niederschlag in fester Form (Schnee, Eiskörner,
Kristalle, etc.), an tiefer Bewölkung aber auch in flüssiger Form,
der in darunterliegenden trockenen Schichten verdunstet, bevor er den
Erdboden erreicht.
Cirrus virga und Altocumulus virga waren beispielsweise in den
letzten Tagen vermehrt im südlichen Hessen zu beobachten, vor allem
in der Region zwischen Frankfurt am Main und dem Rheingau westlich
von Mainz und Wiesbaden.
Weitere Informationen zu den verschiedenen Wolkentypen finden sich im
"International Cloud Atlas" der WMO oder im Karlsruher Wolkenatlas.
M.Sc. Felix Dietzsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.04.2026
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