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Wetterspruch des Tages
An Sankt Lucia ist der Abend dem Morgen nah.

Das Wetterthema

herausgegeben vom Deutschen Wetterdienst am 13.12.2019

Stürmische Zeiten im Mittelmeerraum


Eine starke Tiefdruckaktivität sorgt in einigen Mittelmeerregionen
für recht stürmisches und unbeständiges Wetter. Nachfolgend werden
die Details erläutert.


Stürmische Zeiten im Mittelmeerraum. Nicht nur hier in Deutschland
ist der Wetter recht unbeständig und zum Teil recht windig, auch in
der beliebten Urlaubsregion im Mittelmeerraum sorgt eine regelrechte
starke Tiefdruckaktivität für Sturm und zum Teil starke Regenfälle.

Während Tief "Toni II" aktuell unser Wettergeschehen beeinflusst mit
Regen, Schnee und starkem Wind, bringt Tief "Uwe" in Italien und
später in den Regionen im östlichen Mittelmeerraum alles, was die
Wetterküche zu bieten hat: Regen, Schnee, Gewitter und Sturm.

Tief "Uwe" ist ein sogenanntes "Genuatief". Ein Genuatief ist ein
sich vor allem durch den Einfluss der Alpen (Lee-Effekt)
entwickelndes Tiefdruckgebiet über dem Golf von Genua. Die
Voraussetzungen sind das Einfließen von Kaltluftmassen in den
westlichen Mittelmeerraum und das Überströmen von orografischen
Hindernissen wie die Alpen.

Tief "Uwe" liegt am heutigen Freitag über dem Golf von Genua und
zieht im Laufe des Tages zur Adria und erreicht am Samstag
schließlich Griechenland. Durch den starken Luftdruckunterschied
zwischen dem Azoren-Hoch (1033 hPa) und dem sich verstärkenden Tief
"Uwe" (982 hPa) kann sich ein nennenswerter Druckgradient entwickeln.
Je größer der Druckgradient zwischen Hochs und Tiefs ist, desto
stärker ist der daraus resultierende Wind.

Man spricht bei einer solchen Wetterlage (Hoch über den Azoren und
Tief über Oberitalien) von einer "Mistralwetterlage". Die Folge ist
ein ausgewachsenes Sturmfeld an der Westflanke des Tiefs "Uwe". Der
nordwestliche Wind, der "Mistral" erreicht entsprechend heute und in
der Nacht zum Samstag im zentralen Mittelmeerraum volle Sturmstärke.
Dabei werden von der Provence, Sardinien und Korsika über Süditalien
bis nach Griechenland verbreitet schwere Sturmböen um 100 km/h, über
dem offenen Meer und in den Hoch- und exponierten Lagen Orkanböen um
120 km/h erwartet. In den Gipfellagen der Berge auf Sardinien und
Sizilien sowie in Kalabrien treten sogar extreme Orkanböen über 140
km/h auf.

Nicht nur über Land sorgt der Sturm für Behinderungen, sondern auch
auf dem Wasser. Denn durch den Sturm werden die Gewässer um Italien
regelrecht aufgewühlt. Riesige Wellen zwischen 6 und 9 m werden auf
die exponierten Küstenabschnitte brechen. Die Fährverbindungen zu den
italienischen Kleininseln wie die Liparischen Inseln werden dann
eingestellt.

Dazu kommt es in den an das Tyrrhenische Meer angrenzenden Gebieten
Italiens sowie von Slowenien bis nach Griechenland zu ergiebigen
Niederschlägen. Die Mengen liegen zwischen 50 und 100 Liter pro
Quadratmeter in 24 Stunden. Auf den Bergen fallen diese Mengen als
Schnee. Auch in Oberitalien geht der Regen zum Teil bis in tiefe
Lagen in Schnee über.

Danach beruhigt sich das Wetter schnell wieder. Schon ab Sonntag
stellt sich im Mittelmeerraum Hochdruckeinfluss ein. Viel
Sonnenschein, schwacher Wind, ruhiger Seegang und fast frühlingshafte
Temperaturen sind dann die Begleiterscheinungen. Dies sind gute
Voraussetzungen für einen Kurzurlaub dort, oder?


Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.12.2019

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