Wetter aktuell
Endlich (zu viel) Regen
Die Wetterwoche setzt ihren turbulenten Kurs auch heute fort.
Vergangene Nacht fielen bereits teils erhebliche Mengen Regen.
Am Ende haben die Modelle einen guten Riecher gehabt. Bereits am
gestrigen Dienstag berichteten wir über die bevorstehende
Starkregenlage, die vor allem zentrale Landesteile treffen sollte,
ausgehend von Ostwestfalen über das nordhessische Bergland sowie
Eichsfeld/Kyffhäuser hinweg ins Harzumfeld. Dort sind letzten Endes
auch die höchsten Mengen gefallen. Spitzenreiter war dabei die
Station in Gräfentonna (Thüringen) mit 67,2 mm in 24 Stunden, gefolgt
von Witzenhausen (Hessen) mit 65,1 mm und am Possen (Thüringen) mit
63,1 mm. Das entspricht ziemlich genau den numerischen Vorhersagen,
die Mengen von bis zu 70 mm im Gepäck hatten, wobei der Großteil der
Niederschläge in einem wesentlich kürzeren Zeitraum gefallen ist.
Dementsprechend hoch war auch der sogenannte "Impact", also die
Folgewirkungen des Niederschlags. Insbesondere in Nordthüringen kam
es zu überfluteten Straßen und Kellern und einigen notwendigen
Feuerwehreinsätzen.
Auch abseits dieser unwetterartigen Mengen fielen verbreitet
wenigstens 20 bis 40 mm Niederschlag, die damit der vorhergehenden
und bereits seit einiger Zeit andauernden Trockenperiode zunächst mal
ein Ende bereiteten. Für die meisten dürften die Niederschläge in
diesem Fall also mehr Segen als Fluch bedeutet haben.
Heute setzt sich der "Spuk" erst noch einmal fort. An der Wetterlage
hat sich im Vergleich zu gestern nur sehr wenig geändert. Beachtlich
ist mittlerweile die Ausprägung der Luftmassengrenze, die sich im
Norden Deutschlands befindet. Dort hat sich seit vielen Stunden ein
Regenband formiert, aus dem sich allmählich ein Wellentief zu formen
beginnt, gleichzeitig befindet sich am Alpenrand ein veritables
Leetief mit deutlich ausgerägtem Druckzentrum und entsprechendem
Windfeld um den Tiefkern herum. Das Ergebnis: Während man in und um
Bremen bei nasskalten und dauerverregneten 8°C bibbern muss, sind am
östlichen Alpenrand mit etwas Föhnunterstützung bereits 24°C zu
verzeichnen. Von dort erstreckt sich eine feuchtwarme Luftmasse bis
zum Regenband im Norden, und genau in diesem Bereich hat bereits das
große "Geblubber" begonnen. Hauptaugenmerk liegt zunächst auf dem
Alpenrand, wo sich bereits zum Zeitpunkt des Verfassens dieses
Beitrags eine unwetterträchtige Gewitterzelle in Form einer
Bogenlinie aus den Bergen herausgelöst hat und Richtung München
zieht. Mit im Gepäck: Größerer Hagel, Starkregen und (schwere)
Sturmböen im Bereich 9-10 Bft, etwa 80 - 90 km/h, im "worst case"
auch bis 100 km/h.
Weitere kräftige Entwicklungen - wenngleich nicht zwingend
unwetterträchtig - sind u.a. im Nordthüringer Raum absehbar, wo sich
entlang des Südharzes vermehrt Labilität unter ebenfalls günstigen
Scherungsbedingungen (Windzunahme mit der Höhe) aufgebaut hat. Auch
hier besteht Potential für die Entstehung einer Superzelle, mit Hagel
und Sturmböen im Gepäck.
Bis in die Nacht hinein bilden sich anschließend immer mehr Schauer
und Gewitter, die schließlich miteinander "verklumpen" - unter
Meteorologen als "Cluster" bezeichnet - und schließlich in
ungewittrigen Starkregen übergehen. Dieser ergießt sich dann über die
nachfolgenden Stunden vor allem über die östlichen Landesteile,
bevorzugt vor allem von Thüringen bis nach Oberfranken. Dabei kommen
weitere 20 bis 30 mm Niederschlag zusammen, die auch die Regionen
betreffen, in denen bereits letzte Nacht schon viel Regen fiel.
Am morgigen Donnerstag ist die eigentlich gar nicht mal so potente
Luftmasse dann allmählich "ausgelutscht". Die Luftmassengrenze im
Norden löst sich zunehmend auf und die Zahl der Schauer und Gewitter
nimmt in der Folge ab. Dort, wo sich nochmals welche bilden, fallen
diese auch eine ganze Nummer im Vergleich zu gestern und heute
schwächer aus. Ab Freitag übernimmt dann Hochdruckeinfluss das Zepter
und hält über das kommende Wochenende hinweg an.
M.Sc. Felix Dietzsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.05.2026
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