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Wetterspruch des Tages
Der heilige Ambrosius schneit oft dem Bauern auf den Fuß.

Das Wetterthema

herausgegeben vom Deutschen Wetterdienst am 03.04.2026

Wissenschaft kompakt

Geschichte der Meteorologie - Teil 1: Von den Anfängen zur
Meteorologie in den verschiedenen Hochkulturen des Altertums


In einer chronologischen Serie wird die Geschichte der Meteorologie
präsentiert. Der heutige Teil 1 zeigt die Anfänge der Meteorologie,
die im Altertum noch mit astronomischen Beobachtungen und
mythologisch-religiösen Deutungen eng verwoben waren. Im Folgenden
wird die Geschichte der Meteorologie in ihrer Entwicklung von den
Anfängen im Altertum bis hin zu den wissenschaftlichen
Errungenschaften der alten Hochkulturen vorgestellt.


Mit diesem Thema des Tages wird der Start zu einer ganzen Serie
eingeleitet, die die Geschichte der Meteorologie in chronologischer
Form abdecken soll: vom Beginn der Wetterbeobachtung über das
Zeitalter erster meteorologischer Aufzeichnungen in den alten
Hochkulturen weiter zum Beginn als moderne Naturwissenschaft bis hin
zum Einsatz von Mechanismen der Fernerkundung, Entwicklung von
Wettermodellen, Berechnungen mit Hochleistungsrechnern und dem
Aufkommen der künstlichen Intelligenz.
Verzichtet wird dabei zu Beginn auf die Rückrechnung klimatologischer
Szenarien aus heutiger Sicht, die als Paläoklimatologie bezeichnet
wird. Dabei werden im Rahmen der Klimageschichte die historischen
globalen Durchschnittstemperaturen von Kalt- und Warmzeiten
aufgezeigt, welche wesentlich zur Entwicklungsgeschichte der
Lebewesen im jüngeren Zeitraum der Erdgeschichte beitrugen.

In Einigkeit mit anderen Wissenschaften ist es nicht möglich, einen
exakten Zeitpunkt für den Beginn der Geschichte der Meteorologie
festzulegen. Betrachtet man Meteorologie als Naturwissenschaft im
heutigen Sinne, so ist ihre Geschichte relativ jung. Viel weiter
reicht sie zurück, wenn man die Meteorologie als einen Aspekt
menschlichen Wissens als beschreibende Wissenschaft begreift.
Die Ursprünge der Meteorologie liegen daher in der Wetterbeobachtung.
Diese war schon im Spätpaläolithikum und in der Mittelsteinzeit für
die als Nomaden lebenden Menschen von Interesse. Hier galt es
besonders, die Wanderbewegungen der Beute- oder Herdentiere abzusehen
oder für die vorsichtige Einschätzung einer
günstigen Wetterperiode für längere Sammelausflüge. Nach der
Sesshaftwerdung der Menschheit war die Beobachtung und Aufzeichnung
des lokalen Wetters für Landwirte eine wichtige Grundlage für
weitreichende Entscheidungen, wenn es darum ging, zu welchen
Zeitpunkten man sät und zu welchen man erntet: Je früher man sät,
desto länger ist die mögliche Vegetationsperiode bis zur Ernte,
allerdings drohen bei früherem Säen aber zugleich Einbußen durch
Wettereinwirkungen auf die junge Saat. Je später man erntet, desto
größer ist der Ertrag. Gleichwohl kann es besser sein, die Ernte
etwas früher einzubringen, z. B. um sie vor einem nahenden Unwetter
oder einer Schlechtwetterperiode, man denke beispielsweise an die
Monsunzeit in anderen Weltregionen, in Sicherheit zu bringen.
Zwischen den Anfängen der Seeschifffahrt und der Meteorologie gibt es
durch wind- und strömungsinduzierten Antrieb gewisse
Berührungspunkte. Die Anfänge in der Seeschifffahrt fanden entlang
von Küsten statt bzw. es wurden in der Besiedlungsgeschichte des
Menschen nur geringe Strecken auf dem offenen Meer zurückgelegt
(besonders auf der Beringstraße zwischen Asien und Nordamerika,
zwischen Südostasien und Australien sowie um Neuguinea sowie im
Mittelmeer). Ob hierbei Wind- und Strömungskenntnisse vorlagen, ist
gänzlich unbekannt.
Erste aufgezeichnete Erkenntnisse aus der Meteorologie liegen aus den
verschiedenen Hochkulturen vor, die ihren Ursprung im
Übergangsbereich zwischen Kupfersteinzeit und Bronzezeit haben. Schon
vor allen Hochkulturen versuchte der Mensch in der Jungsteinzeit,
zwischen Naturphänomenen zu unterscheiden, welche Unbehagen bringen
und welche nicht.
Eine Gemeinsamkeit aller Kulturvölker ist die Beobachtung von
Naturphänomenen und damit die Erlangung von Kenntnissen hierüber
durch Priester. Naturphänomene beinhalten hier, was man heute unter
astronomischen und meteorologischen Phänomenen versteht, es
vermischen sich also eine frühe Art "Astrometeorologie" mit
religiösen Vorstellungen. Dies wird besonders deutlich bei der
Festlegung von Aussaat- und Erntezeiten in der Landwirtschaft und der
religiöser Feste. Die durch das Wissen erlangte Macht der
Priesterkaste führte zu einem erheblichen religiösen Einfluss auf die
wissenschaftlichen Erkenntnisse. Die erkennbare Gesetzmäßigkeit der
Naturphänomene und des Himmels fanden in einer priesterlichen
Doppelrolle durch Gesetze Ausdruck einer allgemeinen Weltordnung.

So wurden bedeutende Gottheiten der Hochkulturen zu Göttern der
Sonne, des Mondes, des Donners, des Blitzes, des Windes und des
Meeres. Beispiele für einen solchen Wettergott sind der Sonnengott Ra
im alten Ägypten, Hadad und Iskur als Wettergottheiten im nördlichen
bzw. südlichen Mesopotamien, oder die Donnergötter Indra in Indien
und Lei Gong in China. Im Daoismus im alten China wurde sogar eine
göttliche Hierarchie nach Intensität der meteorologischen Prozesse
eingeführt. Wettergottheiten der altamerikanischen Maya-Hochkultur
sind Chaak, der Gott des Regens und der Wirbelstürme, Itzamna, der
Sonnengott, und Iko'ob, der Gott des Windes.

Aus der ägyptischen und mesopotamischen Hochkultur sind zwar viele
astronomische Erkenntnisse überliefert, jedoch deutlich weniger zur
Meteorologie. In beiden Hochkulturen wurden jedoch Segelschiffe
eingesetzt, zunächst an Flüssen, im Verlauf auch im Persischen Golf,
im Roten Meer und im Mittelmeer. Die früheste Darstellung eines
Segelschiffs stammt aus Mesopotamien am Persischen Golf und wird in
die Zeit zwischen 3500 und 3000 v. Chr. eingeordnet. Erste
Segelschiff-Darstellungen aus Ägypten reichen in die Zeit von 3100 v.
Chr. zurück.

Schon in der prädynastischen Zeit ist aus dem Alten Ägypten bekannt,
dass religiöse Praktiken in Form von Ritualen abgehalten wurden, in
dem der Himmel um Regen angerufen wurde. Mathematische Kenntnisse
besonders in der Geometrie verdeutlichten den Bau der Pyramiden. In
Ägypten richtete sich der Kalender nach dem Eintreffen der
Nilschwemme, die durch Monsunniederschläge im äthiopischen Hochland
verursacht wurde. Kalender waren in Ägypten schon um 3000 v. Chr.
bekannt. Eine außergewöhnliche Dürre um 2200 v. Chr. führte zum
Untergang des Alten Reiches und läutete eine Zeit politischer
Instabilität ein. Neue Kenntnisse in der Wissenschaft wurden
erschwert, ein Austausch mit der benachbarten Hochkultur in
Mesopotamien war wahrscheinlich.

In Mesopotamien wurde in Uruk die älteste erhaltene Keilschrift
entwickelt, die zunächst auf Tontafeln geschrieben wurde. Zudem wurde
ein Zählsystem als Grundlage der Mathematik eingeführt. Aus
babylonischen Keilschriften ist eine frühe mesopotamische Art der
Astrometeorologie bekannt. Himmelserscheinungen wurden in Vorhersagen
umgedeutet und Wolken, Wind und Donner mit guten oder schlechten
Ereignissen in Verbindung gebracht. Aus der Keilschrift auf Ton oder
Lehm ist folgendes aus Babylonien bekannt: "Wenn man einen dunklen
Halo-Schein um den Mond sieht, wird es in diesem Monat regnen oder
werden sich Wolken zusammenziehen. - Brauen sich am Himmel dunkle
Wolken zusammen, wird Wind wehen. - Donnert es an Tagen mit
abnehmendem Mond, wird die Ernte gut." Eine Windrose mit vier Haupt-
und vier Nebenwinden war in Mesopotamien bekannt. Die
Hauptwindrichtungen wurden mit sutu, iltanu, sadu und amur bezeichnet
- Süd, Nord, Ost und West. Nebenwindrichtungen waren
Wortkombinationen wie sutu u sadu für Südost und iltana u amura für
Nordwest. Auch in Mesopotamien war die oben erwähnte Dürre um 2200 v.
Chr. markant. Sie führte dort zum Zusammenbruch des Akkadischen
Reiches.

Die Meteorologie in Indien lässt sich nach Angaben des heutigen
dortigen nationalen Wetterdienstes auf dem Subkontinent bis etwa 3000
v. Chr. zurückverfolgen. Um 2200 v. Chr. führte dieselbe Dürre wie in
Ägypten und Mesopotamien dazu, dass an der Indus-Hochkultur
Siedlungen Richtung Südosten verlagert wurden. Zusammen mit den im
nächsten Abschnitt beschriebenen Überschwemmungen in China wird die
großräumige Dürre als 4,2-Kilojahr-Ereignis bezeichnet. Direkte
meteorologische Erkenntnisse sind in der indischen Hochkultur
schwierig nachzuweisen, da im Unterschied zu anderen Hochkulturen
Indien keine Ordnung in Form einer Zentralregierung hatte und aus
Einzelstaaten bestand. Es wird jedoch ein Austausch und damit die
Übernahme von ausländischem Wissen und Kulturgut angenommen.

Gesicherte erste Erkenntnisse über Landwirtschaft und Ackerbau in der
Hochkultur von China reichen in die Zeit um etwa 2700 v. Chr. zurück.
Nicht geklärt sind dabei die genauen Kenntnisse über meteorologische
Vorgänge. Der erste Kaiser aus der legendenhaften Xia-Dynastie, Yu
der Große, war bei seinen Untertanen beliebt, weil er bei seinem
Vorhaben, die regelmäßigen Überschwemmungen des Gelben Flusses
einzudämmen, seinerzeit einige technische Erfolge erzielte. Die große
Flut, in der chinesischen Mythologie auf etwa 2200 v. Chr.
beschrieben, ist bis heute umstritten. Jüngste geologische
Untersuchungen erbrachten physische Spuren, die sie möglicherweise
hinterlassen hat. Allerdings kann das auch auf eine in der Forschung
auf etwa 1922 v. Chr. datierte Flut hinweisen, die im Nachgang eines
großen Erdbebens in Tibet durch eine massive Landrutschung entstanden
war. Aufgrund gelegentlicher langer Perioden mit starken Regenfällen
kam es und kommt es am Gelben Fluss und anderen chinesischen Flüssen
bis in die heutige Zeit immer wieder zu großen Überschwemmungen. Yu
der Große war der erste bekannte Mensch, der versuchte, die
verheerenden Auswirkungen solcher Wetterereignisse zu mildern. Im
Wesentlichen gelang dies durch Ausbaggern von Flussbetten und
kontrollierter systematischer Ableitung hoher Flusswasserstände auf
umliegende Felder. In die chinesische Geschichte ging der Kaiser als
"Großer Yu beherrscht die Gewässer" ein. In dieser Zeit wurde in
China ein Amt zur Überwachung und Beobachtung des Himmels eingeführt,
was bis zum Ende des chinesischen Kaiserreiches vor rund 115 Jahren
existierte.

Aus der altamerikanischen Hochkultur der Maya sind die meisten
Zeugnisse über wissenschaftliche Erkenntnisse nicht überliefert.
Astronomische Erkenntnisse führten zu einem Kalender. Es ist außerdem
bekannt, dass Wettervorhersagen für Anbauzyklen der Landwirtschaft
genutzt wurden. Schon im Altertum nutzten die Maya ein ausgeklügeltes
Bewässerungssystem auf der Halbinsel Yucatan und förderten
Grundwasser aus Kalksteinlöchern, den Cenoten. Tzolkin, der
Mondkalender der Maya, und Haab, der Sonnenkalender der Maya,
definierten die Termine und religiösen Rituale für die Aussaat. Die
Maya-Priester nutzten Astronomie und Mathematik, um den Beginn der
landwirtschaftlichen Regenzeit anhand von Sonnenfinsternissen und der
Nähe der Venus zu den Plejaden zu bestimmen, wie im
Landwirtschaftsalmanach des Madrid-Kodex', eine der vier erhaltenen
und mit Sicherheit authentischen Handschriften der Maya, dargestellt
ist. Bei den Maya waren Wettervorhersagen eng mit ihrer Kosmologie
bzw. ihrem Weltverständnis verbunden. Die Maya-Kosmologie von Regen
und Wolken umfasste eine detaillierte Beschreibung der Entstehung
dieser Phänomene, die durch das Wirken der Maya-Gottheiten erklärt
wurde. Aus alter Maya-Zeit überliefert ist noch die traditionelle
Methode Xook K'iin aus dem Maya-Sonnenkalender, mit der
Klimaschwankungen und Phänomene wie Hurrikane, Dürren und Winde über
das ganze Jahr hinweg vorhergesagt werden. Diese basierte auf
detaillierten Beobachtungen und Aufzeichnungen über die
Sonnenintensität, die Wolkendichte, das Auftreten von Nebel, Regen
und niedrigen Temperaturen zu Jahresbeginn, aus welchem dann auf die
Wetter- und damit die Ernteentwicklung im Jahr geschlossen wurde.

Erkenntnisse über Meteorologie aus der alten südamerikanischen Kultur
aus Caral im heutigen Peru zwischen 2500 und 2000 v. Chr., die zur
Vor-Inka-Zeit gehört, liegen nicht vor. Die Lage der Hauptsiedlung in
der Wüste abseits der Küstenlagune lässt allerdings auf regelmäßige
Überschwemmungen durch El Nino schließen. Die Blütezeit der
Hochkultur der Inka war deutlich später.

Sie sehen, schon in verschiedenen Hochkulturen im Altertum gab es
gewisse Vorstellungen vom Wettergeschehen und spannende Erklärungs-
und Deutungsversuche an den damals bedeutenden und entwickelten Orten
und Regionen der Welt. Die nächsten meteorologischen Überlieferungen
stammen aus dem antiken Griechenland. Die Serie wird fortgesetzt, so
dass Sie Näheres dazu im zweiten Teil zur Geschichte der Meteorologie
lesen werden.

Dipl.-Met. Markus Eifried

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.04.2026

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