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Wetterspruch des Tages
Georg und Markus (25. April) ganz ohne Trost, erschrecken uns sehr oft mit Frost.

Das Wetterthema

herausgegeben vom Deutschen Wetterdienst am 23.04.2017

Märzfrühling kontra Aprilwinter ? aber ein Hauch von Frühling am
Montag!

Verantwortlich für die überwiegend spätwinterliche Witterungsperiode
Mitte und Ende April ist die derzeitige Luftdruckverteilung am Boden
und in der Höhe. Am heutigen Sonntag herrscht in Bodennähe um das
Hoch ?Querida? herum von Grönland bis nach Westeuropa hoher Luftdruck
vor. Weiter östlich konnte sich dagegen tiefer Luftdruck einnisten.
Vor allem der Tiefdruckkomplex um das Tief ?Quentin?, das sich
derzeit über Nordwestrussland und Finnland tummelt, lässt vom
Nordmeer bis zum Schwarzen Meer kaum Raum für Hochdruckgebiete.
Zwischen diesen beiden Luftdruckgegensätzen konnte sich eine
Nordwestliche bis nördliche Grundströmung einstellen, die polare
Luftmassen anzapft und über die Nordsee nach Mitteleuropa
transportiert. Die noch recht kalte Nordsee kann dabei die Luftmassen
kaum erwärmen, sodass Deutschland im April weiter unterkühlt
daherkommt.

Auch die Luftdruckverteilung in der Höhe (500 hPa, ~5500 m), die
meistens als Wiege des Wettergeschehens angesehen werden kann,
spiegelt derzeit die Bodenverhältnisse wider. Das Hoch ?Querida? ist
sehr hochreichend und ist auch im besagten Höhenniveau über dem
Ostatlantik bestimmend. Auch über Skandinavien und Nordrussland
herrscht entsprechend der Bodenverhältnisse tiefer Luftdruck vor.
Daher ist auch in der Höhe eine nordwestliche Windströmung aktiv.
Dieser sogenannte Polarjet (in etwa 300 hPa, vgl.
http://bit.ly/2n8zq7x) zieht sich von Island über Deutschland hinweg
bis nach Griechenland und erreicht Windgeschwindigkeiten von über 100
kt (> 185 km/h). In dem 850 hPa Niveau, also auf etwa 1500 Metern,
weht der Wind immer noch mit Geschwindigkeiten über 30 kt (> 58km/h)
sodass bei Schauern und Wintergewittern auch in Bodennähe mit starken
bis stürmischen Böen zu rechnen ist. Durch den Wind-Chill-Effekt
(vgl. http://bit.ly/2oVaioL) fühlen sich dementsprechend die
Temperaturen noch kühler an.

Dass sich am Montag dennoch ein Hauch von Frühling in Deutschland
durchsetzen kann, haben wir Tief ?Reiner? zu verdanken. Dieses liegt
am heutigen Sonntag noch vor Schottland und wird sich mit der
angesprochenen nordwestlichen Strömung im weiteren Verlauf unter
Verstärkung Richtung Dänemark und Ostsee verlagern. Auf dessen
Vorderseite dreht der Wind vorübergehend auf Südwest, sodass der
Zustrom an polarer Luft gekappt und durch mildere Luft aus
südlicheren Breiten ersetzt wird. Einhergehend können die
Temperaturen im Süden am Montag bei Zwischenhocheinfluss und somit
viel Sonnenschein bis nahe an die 20-Grad-Marke steigen. Doch schon
am Montagnachmittag und in der Nacht zum Dienstag ist es von Norden
her mit dem zarten Frühlingshauch schon wieder vorbei. Denn
rückseitig von ?Reiner?, also auf dessen Westflanke, kann erneut
polare Luft einströmen und allmählich die mildere Luft verdrängen
(vgl. allgemein die Graphik).

Auf dem Weg über die Nordsee kann die Luft zudem genügend Wasser
aufnehmen, welches nachfolgend schließlich wieder zum Boden zurück
fällt. Da die Luft in höheren Schichten (5 km) bei Temperaturen unter
-25 Grad sowohl in den vergangen Tagen als auch in der kommenden
Woche sehr kalt ist, stellen sich kräftige vertikale Luftumwälzungen
ein. Die noch vergleichsweise warme und somit leichte bodennahe Luft
steigt auf, während die sehr kalte und schwere Höhenluft absinkt. Je
nach vertikalem Temperaturverlauf, Stärke der Aufwinde und bodennahen
Verhältnisse sind teils kräftige Regen-, Schnee- oder Graupelschauer
die Folge. Im Stau der Berge kann es auch länger schauerartig
verstärkt regnen oder schneien.

Weil die derzeitigen Wetterverhältnisse über einen längeren Zeitraum
im April vorherrschten, weist dieser eine Woche vor dem Ende nahezu
landesweit eine leicht negative Temperaturbilanz auf. Meist werden in
Deutschland derzeit negative Temperaturabweichungen zwischen 0 und 1
Grad registriert. Lediglich im Küstenumfeld sowie in Teilen
Süddeutschland sind auch leicht positive Anomalien zu verzeichnen.
Allgemein fühlt sich der April für viele Bürger jedoch deutlich
kälter an. Dieses Empfinden basiert auf dem frühlingshaften,
teilweise sogar frühsommerlichen März, der deutschlandweit im
Vergleich zum vieljährigen Mittel mit einer Temperaturabweichung von
etwa +3,7 Grad einen neuen Rekord aufstellte (vgl.
http://bit.ly/2oAUa8x).

Die unterschiedlichen Luftdruckverhältnisse der Monate März und April
lassen sich auch sehr gut bei der Analyse der vorherrschen
Großwetterlagen erkennen. Während im April bis auf wenige Ausnahmen
bisher kühle, zyklonal geprägte und somit feuchte West-, Nordwest
oder Nordwetterlagen überwogen, kam der März häufiger mit hohem
Luftdruck oder Südwestwetterlagen daher. Vom Nordatlantik bis nach
Nordrussland herrschte überwiegend tiefer Luftdruck vor. Gleichzeitig
dominierte von den Azoren ausgehend, teilweise bis nach Mitteleuropa,
Hochdruckeinfluss. Dadurch konnte mit einer südwestlichen, zeitweise
auch südlichen Strömung, milde bis warme Atlantik- oder
Mittelmeerluft nach Deutschland geführt werden. Insgesamt wurde an 10
Tagen ein Hoch über Mitteleuropa registriert, das die Sonne
verbreitet vom Himmel strahlen ließ. An weiteren 7 Tagen war ein
hochreichendes Tief über dem Ostatlantik und dem Westen Europas
wetterbestimmend, welches Deutschland aus Südwesten zwar mit etwas
feuchterer, aber auch mit der besagten sehr milden Luft versorgte.
Richtig regnerisch und kühl wurde es nur in der ersten Märzdekade,
als sich hochreichende Tiefs über der Mitte Europas tummelten und
immer mal wieder auch kühlere Luft aus Norden anzapften.

Bis zum Ende des Monats müssen wir uns wohl noch gedulden und mit
eher spätwinterlichen Witterungsverhältnissen begnügen. Ob der Mai
dann seinem Namen als Wonnemonat alle Ehre macht, wird sich zeigen.
Diverse Modellprognosen geben zumindest Hoffnung auf die Rückkehr des
Hochfrühlings. Nächste Woche wissen wir mehr.

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.04.2017

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