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Wetterspruch des Tages
Ist der Mai recht heiß und trocken, kriegt der Bauer kleine Brocken.

Das Wetterthema

herausgegeben vom Deutschen Wetterdienst am 23.05.2026

Wetter aktuell

Des einen Freud?


Das heutige Thema des Tages beschäftigt sich mit den Auswirkungen der
aktuellen Wetterlagen auf Skandinavien.



Eitel Sonnenschein - das gilt in den kommenden Tagen zumindest im
Südwesten bzw. in der Südwesthälfte. Und auch in Richtung Nordosten
ist das Wetter ja keinesfalls schlecht - nur vielleicht ein bisschen
weniger gut mit ein paar mehr Wolken und eventuell ein paar (aber
wirklich nur ein paar) Tropfen.

Das Hoch ZENO, welches für das teils hochsommerliche Wetter mit
Temperaturen von bis zu 34°C im Südwesten verantwortlich ist und
schon Morgen von dem nicht weniger sommerlich gestimmten Hoch
ALEXANDER abgelöst wird, macht sich dabei nicht nur am Boden
bemerkbar. Vielmehr handelt es sich um ein sogenanntes
"hochreichendes" Hoch, das auch in höheren Luftschichten zu erkennen
ist.

In Abbildung 1 zeigen die Linien das Geopotential in etwa 5,5 km
Höhe. Beim Geopotential handelt es sich in gewisser Weise um den
Druck in höheren Luftschichten. Das mit ZENO bzw. ALEXANDER
korrespondierende Höhenhoch ist über Nordfrankreich, etwas nördlich
der Loire, gut auszumachen. Zwischen diesem Höhenhoch und einem
Höhentief südwestlich von Island liegen die Linien gleichen
Geopotentials, die Isohypsen, relativ dicht gedrängt. Das führt in
der Folge zur Ausbildung eines Starkwindbandes, auch Jet genannt.
Auch dieser Jet ist in der Karte (Pastelltöne) dargestellt,
allerdings in einer höher gelegenen Luftschicht (in etwa 9 km Höhe).
Unabhängig von der Höhe erkennt man, dass sowohl die Drängungszone
der Isohypsen als auch der Jet sich leicht wellend vom mittleren
Nordatlantik bis nach Skandinavien erstrecken. Dieser Bereich, die
sogenannte Frontalzone, macht also einen weiten Bogen um Mittel- und
Westeuropa.

Damit steuert sie aber - nicht nur aktuell, sondern auch über die
kommenden Tage hinweg - feuchte Nordatlantikluft nach Skandinavien
und damit zuallererst nach Norwegen. Dort trifft die Luft auf das
Skandinavische Gebirge und wird gehoben, was einiges an Regen zur
Folge hat. Die akkumulierten Regenmengen bis zum Dienstagabend können
Abbildung 2 (links) entnommen werden. Wie an einer Perlenkette reihen
sich die Regionen mit den intensivsten Regenfällen von Süd-Südwest
nach Nord-Nordost orientiert im Weststau der Skanden aneinander. In
der Spitze fallen bis zu 100 l/m2 in nur etwa dreieinhalb Tagen. Die
Norweger sind diesbezüglich zwar Kummer gewöhnt, aber man kann schon
sagen, dass dort das Pfingstfest eher verregnet sein wird. In
meteorologischen Zusammenhängen gedacht gilt hier sehr
offensichtlich: Des einen Freud ist des anderen Leid.

Aber: Gilt das mit dem "Verregnetsein" in Norwegen überall? Nicht
ganz. Denn die Überströmung des Gebirges sorgt auf der
Windschattenseite für föhnige Aufheiterungen. Je nach Wetterlage und
Anströmung können sich solche Aufheiterungen sogar im Nordosten
Deutschlands bemerkbar machen. Das ist aktuell zwar nicht der Fall,
aber für den Großraum Oslo sagen die Modelle nur geringe Regenmengen
vorher (ebenfalls Abbildung 2 links).

Der Föhn mischt sich darüber hinaus auch in die zu erwartenden
Höchsttemperaturen ein. (Wer sein Wissen über Föhn auffrischen
möchte, kann dies z. B. in einem Thema des Tages meines Kollegen
Tobias Reinartz aus dem letzten Jahr tun:
https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2025/10/28.html). In der
aktuellen Situation bringt der Föhn vor allem dem Südosten Norwegens
und der Südhälfte Schwedens Temperaturen, die verbreitet zwischen 20
und 25°C liegen (Abbildung 2, rechts). Dem gegenüber kommen die
Temperaturen im Dauerregen entlang der norwegischen Küste überhaupt
nicht "aus dem Quark". Dort sind 10 bis 15°C das Höchste der Gefühle.


Zum Ende unserer Betrachtungen wollen wir den Blick nochmal auf die
Abbildung 1 lenken. Denn auch in das Gebiet mit hohem Geopotential,
welches sich von Südwesteuropa nach West- und Mitteleuropa erstreckt,
hat sich ein kleines Höhentief "reingeschummelt". Es kreist vor der
Nordküste Portugals und sorgt im nordwestlichen Bereich der
Iberischen Halbinsel (Galicien und Nordportugal) für etwas Regen
(Abbildung 3).

Die Situation dort unterscheidet sich von der in Norwegen aber in
mindestens zwei Punkten sehr wesentlich. Erstens sind die
Niederschlagsmengen geringer, was selbst dann gilt, wenn die hier
angegebenen Mengen eventuelle lokale Spitzenwerte nicht korrekt
wiedergeben. Und zweitens fällt der Regen in Spanien bei sommerlichen
30°C und nicht bei eher herbstlichen 10 bis 15°C.


Dipl.-Met. Martin Jonas

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.05.2026

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